STEFAN ZWEIG DIGITAL

DER NACHLASS STEFAN ZWEIGS UND SEINE ÜBERLIEFERUNG

Der österreichische Schriftsteller Stefan Zweig (1881–1942) erlangte insbesondere mit seinen Novellen und Biographien Weltruhm. Nicht zuletzt durch seinen Gang ins Exil ergab sich für seinen schriftlichen Nachlass eine Verteilung auf zahlreiche öffentliche und private Sammlungen und somit eine komplizierte und teilweise unübersichtliche Überlieferungslage. Aufgrund dessen standen Originalmanuskripte und weitere Materialien eines der auflagenstärksten und meistübersetzten deutschsprachigen Autoren des 20. Jahrhunderts trotz anhaltendem Interesse an seinem Werk bisher nur eingeschränkt zur Verfügung.

Das Literaturarchiv Salzburg bewahrt seit 2014 eine der größten Sammlungen von Materialien aus dem Nachlass Stefan Zweigs auf, darunter über 50 Manuskripte und Typoskripte sowie mehr als ein Dutzend Werknotizbücher und seine sämtlichen bekannten Tagebücher. Dieser wertvolle Bestand wird nun im Rahmen des Projekts STEFAN ZWEIG DIGITAL einer weltweiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Mit der Einrichtung dieser erweiterbaren digitalen Präsentation ist zugleich die Basis für zukünftige Transkriptionen und wissenschaftliche Bearbeitungen des Quellenmaterials geschaffen. Gleichzeitig sind auch Werkmanuskripte und Typoskripte Stefan Zweigs aus der umfangreichen Sammlung der Daniel A. Reed Library der State University of New York in Fredonia in das System aufgenommen worden. Damit ist der auf diese beiden Institutionen aufgeteilte literarische Nachlass Zweigs, der all jene Dokumente umfasst, die sich bis zu seinem Tod in seinem Besitz befanden, erstmals in seiner Gesamtheit katalogisiert und erschlossen worden.

INHALTE UND ZUGÄNGE

Das in STEFAN ZWEIG DIGITAL unter Verwendung etablierter Katalogisierungsstandards für Archive und Bibliotheken erfasste Material ist mit weitreichenden Beschreibungen und Verknüpfungen versehen, die ganz unterschiedliche Zugänge zur Beantwortung wissenschaftlicher Fachfragen wie auch für die interessierte Öffentlichkeit bieten. So stehen für die Recherche neben den Katalogen eine biographische Übersicht sowie ein Index der Personen und Standorte mit über 700 Einträgen zur Verfügung. Hinzu kommt das Verzeichnis der erhaltenen Bücher aus Zweigs Bibliothek, das einen wichtigen Einblick in die von ihm wahrgenommene, gelesene und als Quelle für seine Werke genutzte Literatur bietet. Zusätzlich werden hochwertige digitale Faksimiles der Werke und Lebensdokumente zur Verfügung gestellt, die online durchblättert werden können.

Während klassische archivarische und bibliothekarische Erschließungsmaßnahmen im Hinblick auf die Komplexität von Schriftstellernachlässen oftmals an Grenzen stoßen, sind die Kontextualisierung und Semantisierung der Objekte in STEFAN ZWEIG DIGITAL potentiell immer weiter ausbaubar und flexibel verknüpfbar. Das Einbinden der Daten und Metadaten aus verschiedenen Sammlungen wird schließlich eine weitreichendere virtuelle Rekonstruktion des Gesamtnachlasses ermöglichen, welche die Originalquellen und ihren ursprünglichen Entstehungszusammenhang in einzigartiger Breite und Tiefe erfahrbar macht.

TECHNISCHE INFRASTRUKTUR UND METADATEN

Die um Metadaten angereicherten Scans und anderen digitalen Objekte werden im Geisteswissenschaftliches Asset Management System (GAMS) verwaltet und publiziert, das am Zentrum für Informationsmodellierung (ZIM) der Universität Graz kontinuierlich weiterentwickelt wird. Als Trusted Digital Repository ermöglicht GAMS die für STEFAN ZWEIG DIGITAL wesentliche verlässliche digitale Archivierung und Wiederverwendbarkeit der Ressourcen und durch permanente Identifikatoren (PID) eine eindeutige Zitierbarkeit der digitalen Objekte. Durch das OAIS-konformen System ist zudem die Langzeitverfügbarkeit der Daten gesichert. GAMS setzt auf einer webservice-basierten (SOAP, REST), plattformunabhängigen und verteilten Systemarchitektur auf. Es kommen eine weitgehend XML-basierte Content-Strategie sowie standardisierte (Meta-)Daten-formate (TEI, Dublin Core, RDF) zum Einsatz. Die für Nachlassmaterialien zentralen Kategorien Personen, Titel und Entstehungsort sind unter Verwendung der Gemeinsamen Normdatei (GND) sowie von GeoNames für topographische Angaben ausgezeichnet worden. Die Digitalisate entsprechen dem IIIF-Standard und werden im Mirador-Viewer zur Verfügung gestellt.

Sämtliche aktuelle Retrieval-Funktionalitäten von STEFAN ZWEIG DIGITAL basieren auf RDF Daten und erlauben es, nach semantischen Konzepten und deren Verknüpfungen, wie Personen, Standorten, RNA-Kategorien oder Provenienzkriterien zu suchen. Um dies zu erreichen, werden beim Ingest der Daten in die GAMS-Infrastruktur bestimmte Metadaten und Relationen als RDF abgebildet. Das System verwendet als Triplestore die Open Source Software Blazegraph, die über eine integrierte Volltextsuche verfügt. Über ein Content-Model für Query-Objekte können RDF-Daten mittels SPARQL abgefragt werden. Die Formalisierung der Daten auf Basis eines domänenspezifischen RDFs, das auf Wissensbasen (wikidata) beziehungsweise auf Top-Level Ontologien (CIDOC) referenziert, wird zum einen der Komplexität des Nachlassmaterials und zum anderen den Ansprüchen an interoperable Daten im Sinne von Linked Open Data gerecht.

TRÄGER/INNEN UND BEITRÄGER/INNEN

Das Projekt STEFAN ZWEIG DIGITAL ist eine Initiative des Literaturarchivs Salzburg an der Universität Salzburg. Es ist in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Informationsmodellierung der Universität Graz und zahlreichen freiwilligen Beiträger/innen realisiert worden. Andere Institutionen sowie Privatsammlungen sind ausdrücklich eingeladen, ihre Bestände zu Stefan Zweig und seinem Umfeld virtuell in das Projekt einzubringen und durch die Erweiterung des Datenbestands den Wert des entstehenden Netzwerks noch erheblich zu steigern.