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VERSCHIEDENES


Einige Anmerkungen zu Stefan Zweigs „Declaração“

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Anlässlich des 80. Todestages von Stefan Zweig möchten wir Ihnen einige Erkenntnisse zum bekanntesten und meistzitierten Lebensdokument des Autors präsentieren: Stefan Zweigs Abschiedsbrief, ein als „Declaração“ („Erklärung“) betiteltes Schreiben vom 22. Februar 1942, ist in zwei Fassungen erhalten. Ein Exemplar befindet sich heute im Deutschen Literaturarchiv in Marbach, das andere in der National Library of Israel in Jerusalem. Einander gegenübergestellt, zeigen die Dokumente, dass wesentliche Passagen bearbeitet und gestrichen wurden. An einer Stelle beginnt Zweig, den Beweggrund für seinen Suizid näher auszuführen, und bricht dann unvermittelt ab: „Ich habe das Leben zu sehr geliebt. Eine zerstückte und in ihrem Gefühl verstörte“. In der endgültigen Version hat Zweig diese Passage mit ihrem prägnanten ersten Satz nicht wieder aufgegriffen. An den Originaldokumenten ist deutlich zu erkennen, dass Zweig noch zahlreiche Änderungen anbrachte und Aussagen nachschärfte. Es war der letzte Text, den Stefan Zweig schrieb, bevor sich seine Frau Lotte und er in der Nacht vom 22. auf den 23. Februar 1942 das Leben nahmen.

Faksimiles der beiden Dokumente, Transkriptionen und einen ausführlichen Begleittext finden Sie auf der Themenseite „Stefan Zweigs Abschiedsbrief“.

Wir bedanken uns bei unseren Kooperationspartnern, dem Deutschen Literaturarchiv Marbach und der National Library of Israel.

Stefan Zweig über Fjodor Dostojewski

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Im Frühjahr 2021 gelang dem Literaturarchiv Salzburg auf einer Auktion der Ankauf eines kurzen und bisher bibliographisch nicht nachweisbaren Textes, in dem sich Stefan Zweig über den russischen Schriftsteller Fjodor Dostojewski äußert. Anlässlich von Dostojewskis 200. Geburtstag, der nach dem Gregorianischen Kalender am 11. November 2021 zu feiern ist, soll das Dokument hier erstmals präsentiert werden. Der Zusammenhang, in dem das auf einer Seite mit Schreibmaschine beschriebene Blatt steht, konnte noch nicht eindeutig geklärt werden. Zweigs handschriftlicher Zusatz „For your question about Dostojewsky“ scheint auf eine aus England oder den USA kommende Rundfrage hinzudeuten. Möglicherweise ist das Dokument in das Jahr 1931 zu datieren, in dem sich Dostojewskis Todestag zum 50. Mal jährte.

In seinem Beitrag fasst Stefan Zweig kurz zusammen, was ihn an Dostojewskis Werk besonders faszinierte und lässt bei seiner Einordnung keine Zweifel an dessen Position in der Literaturgeschichte. Obwohl diese Bemerkungen keine überraschenden Einsichten enthalten, basieren sie doch auf einer äußerst intensiven Beschäftigung mit Dostojewskis Leben und Werk, mit der Stefan Zweig noch in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg begann, als Dostojewskis Bücher in Westeuropa in zahlreichen Editionen verlegt und intensiv diskutiert wurden. Zweig plante nach seiner Werklektüre einen Essay über Dostojewski zu schreiben, den er 1912 mit einem Umfang von etwa 50 Seiten für die gerade entstehende Insel-Bücherei anmeldete, in die der Text jedoch nicht aufgenommen wurde. Noch im selben Jahr glückte ihm der Ankauf eines Originalmanuskripts von Dostojewski für seine Autographensammlung. Außerdem entstand in dieser Arbeitsphase das Gedicht Der Märtyrer über die im letzten Moment abgesagte Hinrichtung Dostojewskis nach seiner Verurteilung als Staatsverbrecher. Diesen Text veröffentlichte Zweig erstmals 1913 und übernahm ihn später unter dem Titel Heroischer Augenblick in den Sammelband Sternstunden der Menschheit.

Einige Kapitel des inzwischen wesentlich umfangreicher gewordenen Essays erschienen 1914 als Einzelbeiträge in unterschiedlichen literarischen Magazinen und wurden von Zweig anschließend nochmals intensiv umgearbeitet. Eine Publikation des kompletten Textes war geplant, doch der Beginn des Ersten Weltkriegs machte eine Veröffentlichung aus politischen Gründen unmöglich. Erst in der Nachkriegszeit ergaben sich für Zweig verschiedene Möglichkeiten, sich wieder über Dostojewski zu äußern. Sein Essay diente nun als Einleitung zu einer 25-bändigen Werkausgabe, die zu Dostojewskis 100. Geburtstag ab 1921 im Insel-Verlag erschien. Außerdem hielt er mehrere Vorträge zum Thema, wovon ein durchgearbeitetes Typoskript erhalten geblieben ist.

Viel wichtiger aber war die Veröffentlichung des Essays in Zweigs Buch Drei Meister, das 1920 ebenfalls im Insel-Verlag erschien. In diesem Band mit Beiträgen über Honoré de Balzac, Charles Dickens und eben Fjodor Dostojewski versammelte Zweig zwei Jahre nach Kriegsende bezeichnenderweise Texte über herausragende literarische Vertreter dreier Nationen, die kürzlich noch Gegner Österreichs und Deutschlands auf den Schlachtfeldern gewesen waren. Die von Zweig dabei für sich gefundene Form des biographischen und werkgeschichtlichen Essays wurde zur Grundlage zahlreicher weiterer Werke, darunter zwei Folgebände der Drei Meister, die bis zur Entstehung wesentlich umfangreichere Biographien wie Marie Antoinette zu Zweigs erfolgreichsten Veröffentlichungen zählten.

Klawiter-Bibliographie auf www.stefanzweig.digital

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Zweig-Bibliographie von Randy Klawiter

Viele von Ihnen werden bereits die traurige Nachricht erhalten haben, dass Randolph J. “Randy” Klawiter am 19. Juli dieses Jahres im Alter von 90 Jahren verstorben ist (einen Nachruf finden Sie hier). Randy Klawiters jahrzehntelangem Schaffen verdanken wir die bedeutende und beispiellos umfassende Bibliographie der Werke Stefan Zweigs, die zunächst in Buchform erschien und später online fortgesetzt wurde.

Gemeinsam mit der Daniel A. Reed Library der SUNY Fredonia und mit dankenswerter Unterstützung von Randy Klawiters Erben haben wir die Absicht, sein Lebenswerk zu bewahren und die Bibliographie in seinem Sinne auf www.stefanzweig.digital fortzuführen.

Randys Arbeit lebte auch von Hinweisen auf neue Literatur oder bisher unentdeckte Werke von oder über Stefan Zweig, die ihm Beiträger*innen aus aller Welt zuschickten. Wir möchten Sie herzlich bitten, dieses wichtige Engagement aufrecht zu erhalten und Informationen zu Neuerscheinungen sowie weitere bibliographische Angaben oder Korrekturen in Zukunft an uns zu senden. Die Adresse dafür ist:

klawiter@stefanzweig.digital

Auf SZD ist die Bibliographie ab sofort unter dem Menüpunkt „Index“ zu finden oder unter dieser Adresse direkt zu erreichen.

Für Anregungen und Rückfragen steht Ihnen das Team von SZD gern zur Verfügung.

Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung!

Stefan Zweigs Manuskripte aus dem DLA Marbach online

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In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Literaturarchiv Marbach (DLA) konnten in den letzten Monaten weiterere wesentliche Stücke aus Zweigs Nachlass in STEFAN ZWEIG DIGITAL aufgenommen werden. Die Werke und Lebensdokumente Stefan Zweigs, die heute im DLA aufbewahrt werden, sind gemeinsam mit den bereits bestehenden Datensätzen durchsuchbar und mit dem neuen Katalog des DLA verknüpft.

Das DLA bewahrt zahlreiche bedeutende Originale des Autors auf. Aus den frühen Jahren von Zweigs Schaffen stammt etwa die Carl Seelig gewidmete Handschrift der Novelle Der Refractär, die im Sommer 1918 entstand und 1920 im Insel Verlag unter dem Titel Der Zwang erschienen ist. Umfangreiche Vorarbeiten zum Dostojewski-Essay dokumentieren die jahrzehntelange Auseinandersetzung Zweigs mit dem russischen Autor. Im aufbewahrten Konvolut zum Roman Ungeduld des Herzens sind alle Originale des Texts – von den ersten Notizen in Ringbüchern bis zu Druckfahnen – in außergewöhnlicher Vollständigkeit überliefert. Unter den Lebensdokumenten, die im DLA archiviert sind, ist eine weitere Fassung des Abschiedsbriefs von Stefan Zweig zu finden.

Neben der Ergänzung der Marbacher Originale wurden jüngst zahlreiche weitere Lebensdokumente aus den unterschiedlichen Sammlungen in Salzburg und aus der Daniel A. Reed Library in Fredonia mit aufgenommen. Neben den Tagebüchern liegen nun auch Dokumente wie Finanzunterlagen, Rechtsdokumente, Verlagsverträge und Verzeichnisse der eigenen Werke und Sammlungen des Autors erschlossen vor. Insbesondere die Verlagsverträge zeigen die beeindruckende Fülle der zeitgenössischen Übersetzungen der Werke Zweigs in aller Welt.

Friderike Maria Zweig zum 50. Todestag am 18. Januar 2021

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Friderike Zweig im Dezember 1962

Am 18. Januar 1971 verstarb Friderike Maria Zweig in ihrem Wohnort im US-amerikanischen Exil in Stamford, Connecticut. Sie hatte Stefan Zweig im Jahr 1912 kennengelernt und war von 1920 bis 1938 mit ihm verheiratet. Anlässlich ihres 50. Todestages am 18. Januar 2021 möchten wir drei kaum bekannte Tondokumente vorstellen, die zwischen 1955 und 1962 entstanden sind.

1955

Die erste Aufnahme ist ein Radiobeitrag des aus Prag stammenden Schriftstellers und Journalisten Johannes Urzidil, der 1939 zunächst über Italien nach England und 1941 weiter in die USA geflohen war. Er besuchte Friderike Zweig in ihrem Haus in Stamford und berichtet ausführlich über ihre Werke und von ihrem Leben im Exil.

Zur Aufnahme

Dauer 14:24
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1957

In einer Radioreportage des ORF berichtet der als Symson Weinberg in Kolomea in Galizien geborene Komponist und Journalist Jimmy Berg von der offiziellen Feier zu Friderike Zweigs 75. Geburtstag. Der Empfang fand am 16. Dezember 1957 in New York City im heutigen Sara Delano Roosevelt Memorial House in der 65. Straße statt. Nach kurzen Gesprächen mit Wilhelm Schlag vom österreichischen Generalkonsulat und dem Präsidenten des Hunter College George N. Shuster kommt schließlich Friderike Zweig selbst zu Wort. In ihrem Gruß kündigt sie eine Reise nach Österreich an, das sie seit dem Beginn ihres Exils im Jahr 1938 nicht mehr gesehen hatte.

Zur Aufnahme

Dauer 5:11
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1962

Die dritte Aufnahme wurde bei einem Besuch Friderike Zweigs in ihrer Geburtsstadt Wien aufgezeichnet. Sie berichtet von Stefan Zweig und über die 1957 von Erich Fitzbauer gegründete Internationale Stefan Zweig-Gesellschaft, deren Ehrenpräsidentin sie war. Weitere Details zu der Aufnahme, die leider nur in sehr mangelhafter Qualität vorliegt, sind nicht bekannt.

Dauer 4:56